img_9938

Das Schülerparlament

1. Grundsätze

Wir leben in einer Demokratie. Das bedeutet, dass jeder Mensch aktiv an der Gestaltung des Lebens in unserem Land mitwirken kann. Dieses Mitspracherecht muss schon frühzeitig eingeübt werden, damit aus mündigen Schülern und Schülerinnen mündige Bürger und Bürgerinnen werden.

In der Patroklischule tun wir das in Form eines Schülerparlaments. Hier werden wichtige Fragen zum Schulleben besprochen. Ein Ziel unserer pädagogischen Arbeit ist, Kindern ihre Rechte mitzuteilen, ihnen Beteiligungsformen näher zu bringen und sie zu einem demokratischen, selbstständig handelnden Menschen zu erziehen. Partizipation wird in dieser Hinsicht verstärkt zum Leitthema um dieses Erziehungsziel zu verwirklichen.

Voraussetzungen und Grundbedingungen für eine ernsthafte Beteiligung von Kindern sind:

  • Das Prinzip der Freiwilligkeit sollte im Vordergrund stehen. Druck und Zwang schränken die Kreativität der Kinder zu sehr ein. Vielmehr sind der Spaß und die Freude an einer Mitbeteiligung entscheidend.
  • Kinder brauchen das Gefühl, dass sie ernst genommen werden. Vor allem Entscheidungsträger und Entscheidungsträgerinnen in der Schule sollten sich ernsthaft mit den Interessen und Anliegen der Kinder auseinandersetzen, zugleich jedoch keine falschen Hoffnungen erwecken.
  • Eine ernsthafte Beteiligung erfordert eine kommunikative Kompetenz seitens der Kinder. Zur kommunikativen Kompetenz gehört es, aktiv und konstruktiv mit den Entscheidungs- und Konfliktfeldern im Gespräch umgehen zu können. Durch Mitbeteiligung können Kinder diese Kompetenz (weiter)entwickeln.
  • Partizipation und Kindermitbestimmung erfordern sowohl Geduld als auch Ungeduld. Zielformulierungen, mit Beteiligung von Kindern, sollten in einem kurzen Zeitraum verwirklicht werden. Kinder könnten ansonsten vermuten, dass ihre Interessen doch nicht ernst genommen werden. Andererseits erfordert die Beteiligung von Kindern eine Umstellung im Denken der Erwachsenen; man muss Wege probieren; Kinder Erfahrungen sammeln lassen – das erfordert Zeit.
  • An Bedeutung gewinnt die Öffentlichkeit. Sowohl Kinder als auch Erwachsene müssen informiert werden. Kinder benötigen Informationen in kindgerechter Art und Weise, um sich entsprechend beteiligen zu können. Erwachsene hingegen brauchen Informationen, wie die Beteiligung von Kindern in Erwachsenenbereichen erfolgreich funktionieren kann.

Partizipation geschieht anhand von realen Problemen, Vorhaben, Fragestellungen der Kinder, der Klasse oder der gesamten Schule und berücksichtigt das Interesse der Kinder. Hierbei können sie ihre Möglichkeiten und Chancen, aber auch Schwierigkeiten und Grenzen, die sie in ihrem Recht zur Mitbestimmung und Mitgestaltung haben, konkret erfahren und umsetzen.

Stets ist es dabei notwendig, sich an demokratische Prinzipien zu halten, die das Miteinander in diesen Organisationsformen regeln. Dazu gehört die Freiheit der Meinungsäußerungen, die Gleichheit aller Kinder, Respekt vor Mehrheitsentscheidungen und Toleranz gegenüber anderen Kindern und Meinungen. So erfahren und leben Kinder die Bedeutung und Notwendigkeit demokratischer Prinzipien und einiger Menschenrechte konkret.

Lehrer und Lehrerinnen unterstützen Kinder dabei, bieten ihnen Hilfe an, mischen sich aber nicht zu sehr in ihre Arbeitsweise ein und gestehen ihnen Autonomie zu.

2. Ziele

  • Mit dem Schülerparlament entwickelt die Schule eine feste Mitbestimmungsstruktur, die Schülerinnen und Schülern einen Ort bietet, an dem sie die für sie wichtigen schulweiten Themen besprechen können.
  • Über das Schülerparlament wird ein klarer Kommunikationsweg zur Schulleitung und zum Kollegium sichergestellt.
  • Das Parlament stärkt damit die Position der Schülerinnen und Schüler im hierarchiegeprägten Schulgefüge, weil sie als Gruppe agieren können.
  • Das Schülerparlament kann und soll eigenen Projekte initiieren und umsetzen, so dass die Arbeit nicht nur auf der kommunikativen Ebene verläuft, sondern auch sinnlich erfahrbare „Spuren“ in der Schule hinterlässt.
  • Das Schülerparlament kann mit seiner Arbeit auch außerschulisch wirken, indem z.B. bei Projektideen mit Kooperationspartnern wie z.B. den örtlichen Gremien und Einrichtungen zusammengearbeitet wird. Die Kinder lernen darüber auch Mitwirkungsmöglichkeiten vor Ort kennen.
  • Mit der Arbeit im Schülerparlament erwerben und vertiefen die Schülerinnen und Schüler ihre Erfahrungen und ihr Wissen zu demokratischen Aushandlungsprozessen, in der Teamarbeit und in der Projektentwicklung und -durchführung.
  • Die Arbeit im Schülerparlament stärkt das Selbstbewusstsein und die Konfliktfähigkeit, weil die Schülerinnen und Schüler von der Schulleitung als „Gesprächspartner auf Augenhöhe“ behandelt werden. Sie werden mit ihren Themen ernst genommen, müssen sich aber gleichzeitig durch ihre Arbeit auch als ernst zu nehmender Handlungspartner erweisen.

3. Organisation

  • Das Schülerparlament besteht aus gewählten Schülern und Schülerinnen der 1.-4. Klassen (Klassensprecher und ihre Vertreter) und trifft sich regelmäßig einmal im Monat (montags in der 5. Stunde).
  • Es wird geleitet von dem oder der „Vorsitzenden“, der auch im Benehmen mit der Schulleitung einlädt.
  • In den Treffen des Parlaments werden Themen besprochen, die entweder von den Klassen als schulweit wichtig erachtet werden, die von einzelnen Kindern oder Gruppen an die Klassensprecher herangetragen wurden, oder die von Seiten der Erwachsenen (Schule, Eltern, Betreuung) eingebracht werden.
  • Unterstützt die Mehrheit der Delegierten einen Vorschlag, stellt der Vorsitzende/die Vorsitzende einen entsprechenden Antrag an das Kollegium/die Schulleitung. Die Lehrerkonferenz berät über die Machbarkeit, bewilligt, lehnt unter Angabe von Gründen ab oder erarbeitet Alternativvorschläge. Gegebenenfalls wird der Antrag zur weiteren Begutachtung an die Schulkonferenz weitergeleitet.
  • Entwickelt sich aus einem Thema eine „Projektidee“, wird diese vom Parlament weiter bearbeitet und umgesetzt. Je nach Bedarf muss für die Projektumsetzung externe Unterstützung (z.B: Eltern, Hausmeister, Vereine, Künstler/innen oder Beteiligungsexperten/innen) gewonnen werden.
  • Damit alle, die es interessiert, wissen, welche Themen besprochen wurden, werden die Protokolle auf der Schulhomepage und einem eigens für das Schülerparlament zur Verfügung gestellten Info-Wand im Schulflur veröffentlicht.
  • Im Anschluss der Sitzungen müssen die Klassenlehrer ihrer Klasse ausreichend Zeit zur Verfügung stellen, damit die Klassensprecher berichten können, und darüber gesprochen werden kann.
  • Die Wahl der Mitglieder Schülerparlaments erfolgt vor den Herbstferien eines jeden Jahres durch die Schüler und Schülerinnen der jeweiligen Klassen (2 Vertreter pro Klasse). Die Vertreter der 1. Klassen nehmen – nach Absprache – im 2. Halbjahr an den Sitzungen des Parlaments teil.

4. Installation des Schülerparlaments an der Patroklischule

Die Wahl der Klassensprecher ist seit vielen Jahren fester Bestandteil an der Patroklischule. Um die aufgeführten Grundsätze von Partizipation für unsere Schülerinnen und Schüler im Alltag zu erweitern, hat sich die Patroklischule zum Ziel gesetzt, ab dem Schuljahr 2014/15 ein Schülerparlament zu installieren.

In den ersten Parlamentssitzungen wird den gewählten Klassensprechern die erste denkbare Parlamentsstruktur vorgestellt. Gemeinsam soll nun eine eigene Struktur erarbeitet werden. Das Parlament soll später durch einen vom Parlament gewählten Vorsitzenden geleitet werden.